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Energieeffizienz in Privathaushalten

 

Stromversorgungsunternehmen zählen zu den Hauptakteuren, um energiepolitische Ziele zu erreichen. Anreizbasierte Stromtarife sind dafür eine vielversprechende Option.

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Abgeschlossenes Projekt: Energieeffizienz in PrivathaushaltenAbgeschlossenes Projekt: Energieeffizienz in Privathaushaltenhttp://www.nfp71.ch/de/News/Seiten/180713-news-nfp71-energieeffizienz-in-privathaushalten.aspx17.07.2018 22:00:00

Hintergrund (abgeschlossenes Forschungsprojekt)

Gemäss Erkenntnissen der Verhaltensökonomie können anreizbasierte Stromtarife, die einen hohen Konsum finanziell sanktionieren, erheblich zu einer Reduktion der Stromnachfrage motivieren. Allerdings stellt sich die Frage, wie die Konsumentinnen und Konsumenten überzeugt werden können, freiwillig einen solchen Stromtarif zu wählen.

Ziel

Das Projekt untersuchte, ob anreizbasierte Tarife wesentlich zu Energieeinsparungen in Privathaushalten beitragen könnten. Die Forschenden betrachteten zwei Arten von Anreiztarifen: progressive Tarife, die einen hohen Stromverbrauch sanktionieren, und Einspeisetarife, die Anreize für Energieeinsparungen geben. Das Projektteam untersuchte ausserdem, welche konkreten technischen Massnahmen in Haushalten umgesetzt werden könnten und wie viel Energie damit zu welchen Kosten eingespart würde.

Resultate

Zuerst analysierte das Team im Rahmen einer Literaturrecherche die Wirksamkeit von progressiven Tarifen und Einspeisetarifen. Die Ergebnisse dieser quantitativen Vergleichsstudie für verschiedene Länder decken sich mit den Thesen der Verhaltensökonomie. Demnach mobilisieren progressive Tarife wirksamer zu Energieeinsparungen als Einspeisetarife. Das bestätigt die Disposition des menschlichen Entscheidungsverhaltens (d. h. Verlustaversion).

Das Projektteam erhob anschliessend mit Auswahlversuchen anhand detaillierter Befragungen, welche Aspekte der Stromtarife für die Konsumentinnen und Konsumenten am wichtigsten sind. Entsprechend dem Konzept der Verlustaversion zeigte sich, dass Stromtarife, die Einsparungen belohnen, beliebter waren als Tarife mit Strafen für einen hohen Konsum. Auf signifikant höhere Akzeptanz stiessen Tarife mit einem kombinierten Ansatz von Belohnung und Bestrafung. Als beste Anhaltspunkte für die Vorhersage, ob anreizbasierte Stromtarife und insbesondere Tarife mit Strafgebühren für einen hohen Konsum von den einzelnen Personen akzeptiert werden, erwiesen sich der Sparwille, die Verlustaversion sowie ökologische Werte und Emotionen.

Schliesslich wurde die Entwicklung des Bestands an Haushaltgeräten in Bezug auf den Energieverbrauch und die Kosten für Energieeffizienz untersucht. Die Energieeffizienz dieser Geräte wird künftig deutlich steigen. Dies bedeutet aber nicht unbedingt, dass auch der Stromverbrauch entsprechend abnimmt, da mehr Geräte verwendet werden dürften. Die Ergebnisse zur Kostenwirksamkeit durch den Austausch von Geräten zeigen, dass der Wechsel zu energieeffizienteren Haushaltsgeräten hohe spezifische Kosten verursachen würde, ausser wenn technologische Innovationen erfolgreich vermarktet werden.

Bedeutung

Bedeutung für die Forschung

Die Ergebnisse sind für den Energiesektor von grosser Bedeutung, da sie bestätigen, dass Verhaltensmuster, die aus anderen Bereichen der Entscheidungsfindung bekannt sind, auch für die Stromtarife der Privathaushalte gelten. Kombinierte Bonus-Malus-Systeme verdienen mehr Aufmerksamkeit in der Energieforschung und ganz allgemein in der Nachhaltigkeitsforschung. Schliesslich zeigt die Untersuchung des Gerätebestands, dass energieeffizientere technologische Lösungen (A+++/2) zu akzeptablen Preisen gefragt sind.

Bedeutung für die Praxis

Das Schlüsselergebnis mit Praxisrelevanz ist, dass ein Viertel bis ein Drittel aller Haushalte eine hohe Akzeptanz aufweist für einen kombinierten Tarif, der positive Anreize für das Erreichen eines Energiesparziels (Bonus) und negative Anreize für das Verfehlen dieses Ziels (Malus) setzt. Eine relevante Einschränkung ist jedoch die Repräsentativität und die Übertragbarkeit dieser Ergebnisse auf die gesamte Schweizer Bevölkerung. Erschwert wird die Umsetzung solcher Tarife in Europa zudem durch die Liberalisierung der Energiemärkte, da eine Einführung von Smart Meters im grossen Massstab erforderlich wäre und unerwünschte Verteilungseffekte möglich sind.

Originaltitel

Effect of tariff structure on mobilization of energy savings in households

Projektverantwortliche

  • Prof. Martin K. Patel, Institut des Sciences de l'Environnement, Université de Genève
  • Tobias Brosch, Département de Psychologie, Université de Genève
  • David Sander, Centre Interfacultaire en Sciences Affectives, Université de Genève

 

 

Weitere Informationen zu diesem Inhalt

 Kontakt

Prof. Martin K. Patel Institut des Sciences de l'Environnement
Université de Genève
Boulevard Carl-Vogt 66 1205 Genève +41 22 731 23 88 martin.patel@unige.ch

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