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Oekologische Steuerreform und endogenes Wachstum

 

Eine ökologische Steuerreform in der Schweiz kann Ressourcen für Innovation mobilisieren und das Wirtschaftswachstum ankurbeln. Der positive Wachstumseffekt würde die negativen Auswirkungen einer höheren CO2-Abgabe auf die Produktion aufwiegen, und die gesamtwirtschaftliche Entwicklung würde nicht gebremst.

Hintergrund (abgeschlossenes Forschungsprojekt)

Im September 2013 kündigte der Bundesrat ein Paket von fiskalpolitischen Massnahmen an, die dazu beitragen sollen, die strategischen Energie- und Umweltziele für 2050 (Energiestrategie 2050) zu erreichen. Mit dieser Vorlage sollen die bestehenden Fördermassnahmen zur Finanzierung der Subventionen für erneuerbare Energie und Gebäudesanierungen ab 2021 durch ein "Lenkungssystem" abgelöst werden. Dieses Abgabensystem soll die Erreichung der angestrebten Energie- und Umweltziele ermöglichen, indem es über den Markt entsprechende Preissignale setzt. Ausserdem sollen die Erträge dieser fiskalpolitischen Massnahmen an die Bevölkerung zurückfliessen. Für die Untersuchung wurde Fachliteratur beigezogen, der sogenannte allgemeine, statische Gleichgewichtsmodelle zugrunde liegen (Computable General Equilibrium Models; CGM-Models). Diese bilden die Schweizer Wirtschaft ab, ohne Wachstumseffekte zu berücksichtigen.

Ziel

Dieses Projekt verwendete moderne theoretische und numerische ökonomische Modellierung zur Beantwortung der nachfolgenden Frage: Sind höhere Umweltabgaben vereinbar mit einer höheren Wirtschaftsentwicklung und grösserem Wachstum? Diese Arbeit soll die dynamischen Effekte einer ökologischen Steuerreform auf die langfristige Wirtschaftsleistung der Schweiz bestimmen und quantifizieren.

Resultate

Die Ergebnisse zeigen, dass in der Schweizer Wirtschaft eine ökologische Steuerreform mit strikten CO2-Emissionszielen eine positive Wachstumsdividende schaffen kann, indem die Beiträge in Innovation umgeleitet werden. Ein höherer Innovationsgrad fördert die Spezialisierung und Effizienz der Wirtschaft. Dieser positive Wachstumseffekt könnte die negativen Auswirkungen einer höheren CO2-Abgabe auf die Produktion kompensieren, womit die gesamtwirtschaftliche Entwicklung nicht gebremst würde. Ob eine positive Wachstumsdividende resultiert, ist wesentlich davon abhängig, nach welchem System die Abgaben rückerstattet werden; eine Rückverteilung in Form einer Senkung der Kapitalsteuern wäre hinsichtlich Wachstum zu präferieren. Dasselbe gilt, wenn der Fokus auf die aggregierten sozialen Wohlfahrtseffekte gelegt wird. Bei einer Steuerreform dürfen jedoch nicht nur Überlegungen zur Effizienz eine Rolle spielen, sondern auch die soziale Gerechtigkeit ist zu berücksichtigen. Die Ergebnisse zu den Auswirkungen auf die verschiedenen gesellschaftlichen Bereiche zeichnen kein eindeutiges Bild. Tiefe CO2-Reduktionsziele würden eine pauschale Rückvergütung rechtfertigen; bei einer sehr starken Emissionsreduktion hingegen sind die Ergebnisse rückläufig.

Bedeutung

Bedeutung für die Forschung

Das vorliegende Projekt hat die Grenzen der Forschung auf diesem Gebiet in zwei Richtungen erweitert: Erstens durch die theoretische Entwicklung eines stilisierten Modells zum endogenen Wachstum, das auf der F&E-Tätigkeit beruht und die Mechanismen der Wachstumsdividende erklärt, die von einer ökologischen Steuerreform ausgehen. Es konnte gezeigt werden, dass Energie das Wirtschaftswachstum hauptsächlich über den Weg der Kapitalbildung beeinflusst: Eine Erhöhung der CO2-Abgabe kann knappe Ressourcen zugunsten von Innovation mobilisieren und so das Wirtschaftswachstum ankurbeln. Zweitens wurde ein multisektorielles Computermodell für das endogene Wachstum entwickelt, das auf der F&E-Aktivität der einzelnen Sektoren beruht, mit verschiedenen heterogenen Haushalten und einer vollständigen Darstellung des Schweizer Steuersystems.

Bedeutung für die Praxis

Die Ergebnisse sind relevant für die politischen Entscheidungsträger, da sie zeigen, welche Auswirkungen eine entsprechende Politik auf das Wirtschaftswachstum hat und wie sich dies auf die wirtschaftliche Entwicklung der Schweiz auswirkt. Höhere Steuern können mit einer stärkeren Wirtschaftsentwicklung einhergehen; eine Rückverteilung der CO2-Abgabe durch die Senkung der Kapitalsteuern ist die bevorzugte Option mit Blick auf die wirtschaftliche Effizienz; in einer hochentwickelten Wirtschaft, in der Forschung und Entwicklung als Wirtschaftsmotor wirken, könnte ein strenges CO2-Emissionsziel eine pauschale Rückvergütung weniger ausgewogen machen.

Originaltitel

Environmental Tax Reform and Endogenous Growth - The Swiss Case

Projektverantwortlicher

  • Prof. Lucas Bretschger, Center of Economic Research, ETH Zürich

 

 

Weitere Informationen zu diesem Inhalt

 Kontakt

Prof. Lucas Bretschger Center of Economic Research (CER)
ETH Zürich
Zürichbergstrasse 18 8032 Zürich +41 44 632 21 92 lbretschger@ethz.ch

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