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Determinanten von Investitionen in Energieeffizienz

 

Investitionen in die Energieeffizienz werden oft nicht getätigt, weil ihr strategisches Potenzial von den Unternehmen verkannt wird. Dieses Projekt überprüfte die Hypothese, ob Unternehmen durch Energiemanagement den strategischen Charakter von Investitionen in Energieeffizienz besser erkennen.

Hintergrund (abgeschlossenes Forschungsprojekt)

In vielen Unternehmen besteht noch immer beträchtliches Potenzial für die Senkung des Energieverbrauchs. Dennoch werden Investitionen in mehr Energieeffizienz häufig nicht beschlossen, selbst wenn diese finanziell sehr lohnenswert wären. Ein wichtiger Grund dafür ist, dass solche Investitionen als «nicht strategisch» angesehen werden. Ausgehend von dieser Beobachtung richtete sich die Studie auf Schweizer Industrie- und Dienstleistungsunternehmen mit hohem Energieverbrauch. Die Kernhypothese der Forschenden war, dass das Bewusstsein der Firmen für den «strategischen Charakter» von Investitionen in Energieeffizienz durch Energiemanagement deutlich steige. Demzufolge müsste Energiemanagement zu positiven Entscheiden hinsichtlich solcher Investitionen führen und letztlich die Gesamtenergieeffizienz eines Unternehmens verbessern.

Ziel

Die drei wichtigsten Projektziele sind:

  • Rolle, Bedeutung und Treiber von Energiemanagement in Unternehmen mit hohem Energieverbrauch analysieren;
  • Entscheidungsprozesse, die Investitionen in Energieeffizienz vorangehen, untersuchen;
  • Auswirkungen des Energiemanagements auf diese Entscheidungsprozesse analysieren.

Resultate

Energiemanagement spielt eine wichtige Rolle in Entscheidungsprozessen von Unternehmen, um in Energieeffizienz zu investieren. Allerdings konnte der angenommene positive Einfluss (das Ausmass) von Energiemanagement auf die Wahrnehmung des strategischen Charakters von Investitionen in Energieeffizienz durch die im Rahmen des Projekts durchgeführten empirischen Analysen nicht bestätigt werden. Was sich dagegen beobachten liess, war der umgekehrte Einfluss: Wenn Unternehmen Energieeffizienz als strategisch erachten, neigen sie zu einem hohen oder höheren Niveau von Energiemanagement.

Ausserdem zeigte sich, dass Energiemanagement seine wichtige Funktion als Lieferant von Daten und Projektideen aus zwei Hauptgründen oft nicht erfüllen kann: Erstens erfassen und überprüfen nur wenige Unternehmen, ob die tatsächlichen Einsparungen den geplanten und erwarteten Einsparungen entsprechen. Zweitens zeigten die Befragungen, dass weniger als ein Drittel der 305 teilnehmenden Unternehmen technische Mittel wie Energiezähler oder Submeter zur Unterstützung ihres Energiemanagementsystems einsetzen. Nur 30 Prozent der Firmen hatten einen Referenzwert definiert (d. h. die Ausgangssituation definiert, um Fortschritte zu erheben).

Gesetze und Vorschriften scheinen vor allem bei den Unternehmen zu wirken, deren Geschäftsleitung kein Interesse am Thema Energieeffizienz hat. Dort möchte das Management in der Regel alle Vorschriften erfüllen, um Compliance-Probleme zu vermeiden. Die Chancen, mittels Energiemanagement Projekte zur Steigerung der Energieeffizienz umzusetzen, lässt sich erhöhen, wenn diese Projekte durch externe Treiber wie eine entsprechende Regulierung an Bedeutung gewinnen.

Bedeutung

Bedeutung für die Forschung

Dieses Forschungsprojekt liefert drei wesentliche Erkenntnisse, die zur Untersuchung der Investitionen grosser Energieverbraucher in die Energieeffizienz von Nutzen sind:

  • Die Kombination von drei empirischen Ansätzen (standardisierte Befragung, qualitative Interviews mit einer Teilstichprobe und ergänzende Fallstudien) ermöglicht, das Entscheidungsverhalten in Unternehmen schrittweise und detaillierter zu untersuchen.
  • Das auf früheren Forschungsarbeiten basierende Entscheidungsmodell wurde überprüft, weiterentwickelt und empirisch getestet.
  • Der Forschungsansatz unterstützt die Entwicklung anwendungsorientierter Vorschläge, um die Entscheidungsfindung grosser Energieverbraucher im Hinblick auf Energieeffizienzmassnahmen zu verbessern.

Bedeutung für die Praxis

Das Projekt hat Auswirkungen auf Unternehmen (mit hohem Energieverbrauch) und den Staat:

  • Die Unternehmen können – insbesondere durch die Einführung neuer Überwachungs- und Kontrollinstrumente – den Wert ihres Energiemanagements steigern und dessen Ausgestaltung weiterentwickeln. Dabei sollten unterschiedlichste Nutzen der Energieeffizienz in die Projektevaluation einfliessen, sodass Energieeffizienzprojekte an das Kerngeschäft gekoppelt sowie ihr strategischer Charakter und damit auch die Wahrscheinlichkeit ihrer Umsetzung erhöht werden.
  • Die Ergebnisse der drei Teilstudien bestätigen, dass der Gesetzgeber einen Beitrag zur Förderung von Energieeffizienzmassnahmen in Firmen leisten kann. Das Forschungsteam empfiehlt einen Mix verschiedener Massnahmen, darunter mehr Information, Ausbildung und Schulungen. Eine weitere Empfehlung betrifft die verbesserte technische Unterstützung der Unternehmen sowie die Ausweitung und Intensivierung der nationalen und kantonalen Strategien und Regulierungen.

 

Originaltitel

M_KEY – Management as a Key Driver of Energy Performance

Projektverantwortliche

  • Dr. Rolf Iten, INFRAS, Zürich
  • Dr. Catherine Cooremans, Institut de recherches économiques, Université de Neuchâtel
  • Prof. Milad Zarin-Nejadan, Institut de recherches économiques, Université de Neuchâtel