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Steueranreize für eine Senkung des Energieverbrauchs

 

Zwei kantonale Politikinstrumente zur Senkung des Energieverbrauchs zeigten nicht die beabsichtigte Wirkung. Es handelt sich dabei um Anreize in Form einer tieferen Fahrzeugsteuer in verschiedenen Kantonen und um die Elektrizitätsabgabe in Basel.

Hintergrund (abgeschlossenes Forschungsprojekt)

Die Energiestrategie 2050 sah ursprünglich eine zweite Phase vor, bei der Anreize zur Reduktion des Energiekonsums im Zentrum stehen sollten. Die Hauptidee des Forschungsprojekts bestand darin, Lehren aus den kantonalen Erfahrungen mit solchen Massnahmen für die Bundesebene zu ziehen. Es ist zu hoffen, dass diese Erkenntnisse längerfristig von Nutzen sein werden, auch wenn inzwischen die zweite Etappe der Energiestrategie 2050 verschoben wurde.

Ziel

Ziel war es, die Wirkung von zwei kantonalen Anreizmassnahmen zu untersuchen. Erstens führten mehrere Kantone über reduzierte Fahrzeugsteuern Anreize für energieeffiziente und/oder umweltfreundliche Autos ein. In einem ersten Teilprojekt wurde die Wirkung dieser Anreize auf die Fahrzeugwahl untersucht. Weil eine bessere Treibstoffeffizienz die Fahrkosten senkt, könnten steuerliche Anreize die unbeabsichtigte Folge haben, zusätzlichen Verkehr zu schaffen. Deshalb wurden auch die Auswirkungen der Steueranreize auf das Fahrverhalten untersucht. Zweitens führte Basel 1999 eine Elektrizitätsabgabe ein, mit der sich die Grenzstromkosten für Haushalte und die meisten Unternehmen substanziell verteuerten. In einem zweiten Teilprojekt wurden die Auswirkungen dieser Elektrizitätsabgabe auf den gesamten Stromverbrauch analysiert.

Ergebnisse

Wenn jemand ein Auto kauft, wählt er dieses vermutlich aufgrund der Fahrzeugeigenschaften, der Preise und der Steuern aus einer grossen Zahl von Modellen aus, wobei verschiedene Personen diese Aspekte unterschiedlich gewichten können. Ein strukturelles ökonometrisches Modell wurde angewendet, mit dem der Einfluss der Fahrzeugsteuern zuverlässig abgeschätzt werden konnte – trotz der grossen Zahl von Fahrzeugmodellen und persönlichen Präferenzen. Dieses Modell wurde mit einem empirischen Ansatz kombiniert, mit dem unbeobachtete verzerrende Faktoren, die je nach Kanton und Jahr unterschiedlich sind, eliminiert werden konnten. Durch die Verwendung dieser Methoden zusammen mit Daten zur Fahrzeugregistrierung, zu den kantonalen Fahrzeugsteuern und zu den Fahrzeugmerkmalen ergab sich der Schluss, dass die kantonalen Fahrzeugsteuern mit den entsprechenden Anreizen für treibstoffeffiziente und/oder umweltfreundliche Autos nicht die beabsichtigte Wirkung auf die Fahrzeugwahl zeigten. Ausserdem konnte kein Einfluss der Steueranreize auf das Fahrverhalten festgestellt werden.

Um die Wirkung der Basler Elektrizitätsabgabe abzuschätzen, wurde der tatsächliche Stromverbrauch in Basel nach der Einführung der Abgabe mit dem hypothetischen Stromverbrauch ohne diese Abgabe verglichen. Der Stromkonsum dieser hypothetischen Situation wurde dem Stromverbrauch vergleichbarer Städte gegenübergestellt. Statt zufällig einige Vergleichsstädte zu wählen, wurde ein gewichteter Durchschnitt des Stromverbrauchs in diesen Städten verwendet. Die Gewichtungen wurden so gewählt, dass der Stromverbrauch und dessen Determinanten in den 14 Jahren vor der Einführung der Abgabe möglichst ähnlich waren wie in Basel. Gemäss den erzielten Ergebnissen bewirkte die Elektrizitätsabgabe in Basel keine signifikante Reduktion des Gesamtstromverbrauchs.

Bedeutung für die Forschung

Die Ergebnisse sind sehr kontextspezifisch. Sie bedeuten nicht, dass Anreize im Energiesektor grundsätzlich wirkungslos sind. Sie stehen jedoch in Einklang mit früheren Ergebnissen, die ebenfalls darauf hinweisen, dass Fahrzeugsteueranreize über viele Jahre hinweg weniger wirksam sein könnten und dass Einzelpersonen beim Stromverbrauch auf Durchschnittspreise reagieren und nicht auf die theoretisch relevanteren Grenzkosten.

Bedeutung für die Praxis

Damit Anreize wirksam sind, sollten sie sofort spürbar sein und klare, eindeutige Auswirkungen auf die Preise haben. Abgesehen davon könnten ungenügende Informationen dazu beigetragen haben, dass gewisse kantonale Massnahmen keine Wirkung zeigten.

Originaltitel

Tax incentives for reducing energy consumption: An empirical evaluation of tax reforms in Swiss cantons

Projektverantwortlicher

  • Prof. Simon Lüchinger, Ökonomisches Seminar, Universität Luzern

 

 

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