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Intelligente urbane Logistik

 

Eine energieeffiziente und CO2-freie urbane Logistik wird in Zukunft möglich sein. Bis zum Jahr 2050 kann diese einen bedeutenden Beitrag zur Verringerung des Energieverbrauchs und der Treibhausgasemissionen leisten. Eine wesentliche Voraussetzung für die erfolgreiche Realisierung ist die Zusammenarbeit zwischen Behörden und privaten Akteuren.

Projektbeschrieb (abgeschlossenes Forschungsprojekt)

Mehr als 80 % der Schweizer Bevölkerung leben heute in urbanen Räumen. Zwischen 2006 und 2015 ist der Logistikmarkt um 23 % gewachsen; die Logistik macht 7 % des BIP aus. Entsprechend schnell nehmen einzelne Logistikbereiche in urbanen Gebieten zu. Der Verkehrssektor ist für rund 40 % des gesamten Energieverbrauchs der Schweiz verantwortlich, und dieser Anteil wird zu 97 % aus nicht-erneuerbaren Energiequellen bezogen. Mit ihrer Energiestrategie 2050 will die Schweiz eine substantielle Reduktion des Energiebezugs erreichen und den Verbrauch nicht-erneuerbarer Energien sowie die damit einhergehenden klima-, umwelt- und gesundheitsschädlichen Emissionen drastisch senken.

Ziel

Ziel des Projekts war es, das Potenzial für eine effizientere Energienutzung, die Substitution nicht-erneuerbarer Energien und die Verringerung der CO2-Emissionen in der urbanen Logistik der Schweiz bis zum Jahr 2050 zu evaluieren. Zu diesem Zweck wurden unterschiedliche (technische, infrastrukturelle, logistische, kooperative, verhaltensbezogene) Ansätze, mit denen sich die genannten Verbesserungen erzielen lassen, sowie die erforderlichen Rahmenbedingungen untersucht.

Resultate

Die Vision 2050 für eine energieeffiziente und CO2-freie urbane Logistik ist umsetzbar. Das Projekt hat ergeben, dass dies Änderungen bei der Nutzung von Technologien und Infrastrukturen, der Gestaltung von Dienstleistungs- und Lieferkonzepten, der Marktorganisation und Kooperation, der Planung und Regulierung und schliesslich des Kundenverhaltens erfordert. Die im Rahmen des Projekts durchgeführte Wirkungsanalyse konnte belegen, dass damit ein bedeutender Beitrag zur Umsetzung der Energiestrategie 2050 möglich ist.

Mit der Realisierung der Vision können 7 % der entsprechenden Effizienzziele der Energiestrategie 2050 und rund 9 % der angestrebten Reduktion von Treibhausgasemissionen erreicht werden. Darüber hinaus ist ein Übertragungseffekt auf andere Transportmittel und Technologien zu erwarten, was sich ebenfalls positiv auf die Energieeffizienz und die Verringerung von Emissionen auswirken dürfte. Eine vollständige Umsetzung der Vision erfordert veränderte regulatorische Rahmenbedingungen, den politischen Willen zur Unterstützung der Vision und die Bereitschaft der Spediteure und Logistikakteure.

Bedeutung

Bedeutung für die Forschung

Im Rahmen dieses Projekts wurden der Energieverbrauch und die CO2-Emissionen der urbanen Logistik in der Schweiz erstmals umfassend untersucht. Für fundierte und verlässliche Ergebnisse war es wesentlich, verschiedene Methoden zu kombinieren. Trotz eingeschränkter Vergleichsmöglichkeiten aufgrund fehlender ähnlicher Studien ermöglichte die Kombination verschiedener Methoden wie Szenario-Techniken, Visionsentwürfe und Back-Casting eine umfassende Analyse. Die resultierenden Empfehlungen, die durch Forschung und Feedback-Zyklen abgestützt sind, stiessen in Fachkreisen und bei den Anspruchsgruppen auf breite Zustimmung. Die verwendeten Methoden sind sehr empfehlenswert, um zukünftige Entwicklungen und deren Wirkung unter definierten Rahmenbedingungen zu antizipieren.

Bedeutung für die Praxis

Die im Rahmen des Projekts entwickelte Vision erfordert verschiedene wichtige Massnahmen (CO2-freie Fahrzeugantriebe, Mobility Pricing, Strassennutzungsbedingungen, Energieeffizienz-Label, Kooperation, Planung von Logistikstandorten usw.), um den Energieverbrauch und die CO2-Emissionen zu verringern. Die öffentliche Verwaltung sollte die Ergebnisse in der Verkehrs-, Raum- und Umweltplanung berücksichtigen und so geeignete Rahmenbedingungen für eine nachhaltigere urbane Logistik schaffen. Auch Spediteure, Logistik- und Transportdienstleister sollten die Ergebnisse bei der strategischen Entwicklung ihrer Geschäftstätigkeit (Gestaltung von Lieferketten, Entscheide über Logistikstandorte, Beschaffung von Fahrzeugen usw.) berücksichtigen. Wichtig für die Umsetzung wird die engere Zusammenarbeit zwischen der Verwaltung und den Marktteilnehmern sein.

Originaltitel

Energy efficient and CO2-free Urban Freight Logistics

Projektverantwortliche

  • Martin Ruesch, Rapp Trans AG
  • Prof. Ueli Haefeli, Interface, Institut für Politikstudien, Luzern
  • Dr. Dirk Bruckmann, Lehrstuhl für Transportlogistik, Hochschule Rhein-Waal, Kamp-Lintfort, Deutschland
  • Prof. Ulrich Alois Weidmann, Institut für Verkehrsplanung und Transportsysteme, ETH Zürich