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Förderung von energiesparendem Verhalten in Städten

 

In Zusammenarbeit mit drei Städten haben die Forschenden Interventionen durchgeführt, die Verhaltensänderungen bei der Mobilität und beim privaten Energieverbrauch herbeiführen sollten. Durch die Arbeit mit Sportclubs konnten Menschen mit vielfältigem Hintergrund erreicht werden. Soziale Prozesse und direkte Erfahrungen bewirken Verhaltensänderungen. Die Zusammenarbeit zwischen Forschenden und Städten ermöglichte ein wissenschaftlich fundiertes Vorgehen und praxisrelevante Interventionen.

 News

 

 

"Kommunale Interventionen und Kampagnen zur Förderung von energiesparendem Verhalten" – eine Broschüre für Energieverantwortliche in Städten und Gemeinden"Kommunale Interventionen und Kampagnen zur Förderung von energiesparendem Verhalten" – eine Broschüre für Energieverantwortliche in Städten und Gemeindenhttp://www.nfp71.ch/de/News/Seiten/170830-news-nfp71-broschuere-energieverantwortliche.aspx29.08.2017 22:00:00
E-Bike-Fahren regt zum Umdenken anE-Bike-Fahren regt zum Umdenken anhttp://www.nfp71.ch/de/News/Seiten/161220_news_nfp71_e_bike.aspx19.12.2016 23:00:00

Projektbeschrieb (abgeschlossenes Forschungsprojekt)

Die Städte spielen für die Energiewende in der Schweiz eine Schlüsselrolle. Viele Städte führen Interventionen durch, die Verhaltensänderungen fördern sollen. Eine Schwierigkeit besteht darin, auch Menschen zu erreichen, die nicht umweltbewusst sind. Eine Strategie zum Erreichen eines breiteren Publikums besteht darin, mit organisierten gesellschaftlichen Gruppen wie Sportvereinen zusammenzuarbeiten. Solche Gruppen bilden einen guten Rahmen zum Aufbau vertrauensvoller Beziehungen sowie für direkte Erfahrungen und soziales Lernen, wodurch gesellschaftliche Normen geformt werden können.

Zielsetzung

Mit dem Projekt sollte in Erfahrung gebracht werden, welches Potenzial und welche Herausforderungen eine Strategie birgt, bei der organisierte gesellschaftliche Gruppen als Vermittler für Energiesparinitiativen dienen. Die Entwicklung, Umsetzung und Evaluation der Interventionen erfolgte in enger Zusammenarbeit mit den Städten Winterthur, Baden und Zug. Untersucht wurde auch der Mehrwert einer solchen Zusammenarbeit zwischen Forschung und Städten.

Resultate

Drei Interventionen wurden in den Bereichen Mobilität und Warmwasserverbrauch durchgeführt. Es zeigte sich, dass Sportclubs wirksame Multiplikatoren für Programme sind, die dazu anregen, mit dem Velo statt mit dem Auto zu Sporttrainings zu fahren. Die Clubs konnten Personen motivieren, die sich nicht beteiligt hätten, wenn sie individuell angefragt worden wären. Dies führte dazu, dass diese Personen seltener das Auto benutzten, um zu den Trainingseinrichtungen zu fahren. Die Evaluation eines E-Bike-Versuchs für Autobesitzer veranschaulichte die Bedeutung sozialer Prozesse: Je mehr positives Feedback die Teilnehmenden erhielten, desto stärker war ihre Absicht, weniger mit dem Auto zu fahren.

Überdies bewirkte das Ausprobieren eines E-Bikes, dass ein Jahr nach dem Versuch immer noch weniger Situationen spontan mit der Benutzung eines Autos in Verbindung gebracht wurden. Ein entsprechender Effekt ergab sich beim Duschen: Wenn jemand in einer öffentlichen Badeanstalt wassersparende Duschköpfe ausprobiert hatte, dann wirkte sich dies positiv auf dessen Einstellung zu solchen Duschköpfen und entsprechende Kaufentscheidungen aus.

Auf Prozessebene trugen Workshops mit Forschenden und Personen aus der Praxis dazu bei, die Faktoren zu bestimmen, die für eine erfolgreiche und wirksame Zusammenarbeit zwischen Forschung und Städten unerlässlich sind.

Bedeutung

Bedeutung für die Forschung

In der Literatur wird die Zusammenarbeit mit Vermittlern als wirksamer Ansatz gesehen, um Zugang zu verschiedenen Zielgruppen zu erhalten. Das Projektteam führte verschiedene empirische Feldstudien durch, die Erkenntnisse über die Eignung und Effektivität von organisierten gesellschaftlichen Gruppen als Vermittler lieferten. Wie in früheren Studien zeigte sich, dass soziale Prozesse ein massgebender Auslöser für Verhaltensänderungen sein können. Dieser Effekt kann allerdings je nach Bereich unterschiedlich ausgeprägt sein: Während sich soziale Normen als wichtiger Motivationsfaktor bei der Entscheidung zwischen Velo und Auto herausstellten, schienen solche sozialen Prozesse bei der Förderung von energiesparenden Duschköpfen keine Rolle zu spielen. Zudem ist auch die Zusammenarbeit mit formell organisierten Gruppen kein Allheilmittel, da der Aufbau einer solchen Zusammenarbeit Zeit und Ressourcen erfordert.

Die Zusammenarbeit mit Städten bei der Entwicklung und Umsetzung von Initiativen bietet für die Forschenden interessante Möglichkeiten. Sie können zum Beispiel kontextualisierte Felddaten mit hoher externer Validität sammeln.

Bedeutung für die Praxis

Je nach Kontext und Verhaltensbereich der Interventionen kann die Zusammenarbeit mit organisierten sozialen Gruppen eine wirksame Strategie sein, um neue Zielgruppen zu erreichen. In diesem Prozess sind persönliche Kontakte zwischen Städten und sozialen Gruppen zentral, insbesondere auch von städtischen Abteilungen, die traditionell nicht im Energiebereich tätig sind, zum Beispiel das für Sport zuständige Amt.

Direkte Erfahrungen (z. B. mit E-Bikes oder energieeffizienten Duschköpfen) sind ein wirksamer Auslöser für Verhaltensänderungen. Möglichkeiten für solche Erfahrungen anzubieten, ist daher ein vielversprechender Ansatz für Interventionen im Energiebereich und möglicherweise auch in anderen Bereichen (z. B. nachhaltige Ernährung).

Systematische Evaluationen der Interventionen sind wichtig, um Erkenntnisse daraus zu gewinnen und diese auf andere Kontexte übertragen zu können. Die Zusammenarbeit mit der Forschung hat sich in dieser Hinsicht als nützlich erwiesen.

Originaltitel

Using formal social groups to promote energy sufficient behaviour in cities

Projektverantwortliche

  • Prof. Bettina Furrer, Institut für Nachhaltige Entwicklung, Zürcher Hochschule Winterthur
  • Prof. Dr. Michael Stauffacher, Department of Environmental Systems Science, ETH Zürich