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Kollektive Finanzierung erneuerbarer Energien

 

Energiegenossenschaften erweitern die Möglichkeiten für die dezentralisierte Produktion von erneuerbaren Energien, können zur Gestaltung der kommunalen Energiepolitik beitragen und werden von Gemeinden aufgrund ihrer Organisationsform unterstützt. Sie leisten einen gesellschaftlichen und politischen Beitrag, der über die Produktion von Energie hinausgeht.

Projektbeschrieb (abgeschlossenes Forschungsprojekt)

Der Übergang zu erneuerbaren Energien (EE) ist kostenintensiv. Eine Erhöhung der Anzahl kollektiv finanzierter Projekte für EE kann einen Beitrag zur Finanzierung der Energiewende leisten. Falls die Energieproduktion dezentral erfolgt, hat dieser Ansatz weitere Vorteile: Eine kollektive Finanzierung fördert die Partizipation der Bevölkerung und der Gemeinden, stärkt die lokale Identität und generiert Einkommen und Erträge für die lokale Wirtschaft. Energiegenossenschaften sind eine typische Form der kollektiven Finanzierung von EE.

Zielsetzung

In verschiedenen Ländern wurden Energiegenossenschaften bereits untersucht, nicht jedoch in der Schweiz. Wenig erforscht sind ausserdem die Geschäftsmodelle und Finanzierungsstrategien, die beteiligten Akteure, die Zusammenarbeitsformen, die Erfolgsfaktoren und die Perspektiven von Energiegenossenschaften. Mit diesem Projekt wird diese Lücke geschlossen: Das Forschungsteam hat die Situation von Genossenschaften in der Schweiz und in Deutschland untersucht und die Ergebnisse verglichen. Zudem wurde die Einbettung der Energiegenossenschaften und insbesondere der lokale politische Kontext analysiert.

Resultate

Energiegenossenschaften können eine wichtige Rolle bei der Transformation des Energiesystems auf lokaler und regionaler Ebene spielen: Sie initiieren neue Debatten im Energiesektor und in der Gesellschaft und dienen als Brücke zwischen den beiden Seiten. Sie sind «Pioniere», die neue Technologien und Organisationsformen anwenden (z.B. Eigenverbrauch), sie arbeiten eng mit Gemeinden zusammen, wirken als Antrieb für die Entwicklung und Umsetzung der kommunalen Energiepolitik und profitieren vom Nutzen einer solchen Zusammenarbeit. Das föderalistische System bietet den Gemeinden genügend Spielraum für die Zusammenarbeit. Die von Genossenschaften produzierte Menge an Energie ist allerdings bescheiden: Die zahlreichen Genossenschaften, die Strom mit PV erzeugen, steuern lediglich 1 bis 1,5% an die gesamte in der Schweiz und Deutschland mittels PV erzeugte Elektrizität bei.

Bedeutung

Bedeutung für die Forschung

Die Untersuchung der Energiegenossenschaften in diesem Projekt ist die erste in der Schweiz, womit auch erstmals repräsentative Angaben zur Verfügung stehen. Die gewonnenen Daten wurden für die Analysen in diesem Projekt verwendet, werden aber auch für andere Forschende zugänglich sein. Die Umfrage in Deutschland ermöglicht Vergleiche zwischen den beiden Ländern. Da Deutschland als Eldorado für Energiegenossenschaften gilt, liefern solche Vergleiche aufschlussreiche Erkenntnisse dazu, wie diese Strukturen unterstützt werden können.

Je vier Fallstudien in den beiden Ländern wurden durchgeführt, um in Erfahrung zu bringen, was erfolgreiche Genossenschaften ausmacht. Diese Studien liefern Anhaltspunkte dazu, wie dieser Sektor optimal unterstützt werden kann. Der Schwerpunkt lag auf der Governance, die hier vor allem die lokale Ebene betrifft. Dabei zeigte sich, dass die Gemeinden für Energiegenossenschaften eine wichtige Rolle spielen und diese Genossenschaften eine Säule der lokalen Energiepolitik bilden können.

Bedeutung für die Praxis

Energiegenossenschaften verfügen nun über Informationen zu ihrem Tätigkeitsbereich, die unter anderem deshalb fehlten, weil solche Genossenschaften bisher untereinander kaum Erfahrungen austauschten. Das Projekt zeigte überdies, dass die Bedingungen für Energiegenossenschaften verbessert werden können, indem die Kompetenzen ihrer Mitarbeitenden und Mitglieder gestärkt und die Vernetzung zwischen den Genossenschaften gefördert werden. Wenn die Schweiz Energiegenossenschaften und damit die dezentrale Energieerzeugung fördern will, muss sie die Einspeisevergütungen und die Bedingungen für den Eigenverbrauch verbessern. Gemeindeverbände könnten die Ergebnisse nutzen, um Unterstützungsmassnahmen für andere Gemeinden zu entwickeln.

Originaltitel

Collective financing of renewable energy projects in Switzerland and Germany: comparative analysis and implications for energy transition policies

Projektverantwortliche

  • Prof. Dr. Irmi Seidl, FE Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, WSL Birmensdorf
  • Prof. Britta Klagge, Geographisches Institut der Universität Bonn

 

 

Weitere Informationen zu diesem Inhalt

 Kontakt

Prof. Dr. Irmi Seidl FE Wirtschafts- und Sozialwissenschaften
Eidg. Forschungsanstalt für Wald Schnee und Landschaft WSL
Zürcherstrasse 111 8903 Birmensdorf +41 44 739 23 24 irmi.seidl@wsl.ch

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