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Akzeptanz erneuerbarer Energie

 

Das Projekt geht von der Annahme aus, dass eine wirkungsvolle Neuausrichtung hin zu erneuerbaren Energiequellen nicht nur eine technische, sondern vor allem auch eine politische Herausforderung ist. Die Analysen beleuchten daher die Bedingungen, unter denen politische Akteure und die Bevölkerung politische Instrumente und Projekte akzeptieren.

 News

 

 

Neues Buch beleuchtet Wege zur sozialen Akzeptanz erneuerbarer EnergieNeues Buch beleuchtet Wege zur sozialen Akzeptanz erneuerbarer Energiehttp://www.nfp71.ch/de/News/Seiten/180713-news-nfp71-aktuelles-buch-akzeptanz-erneuerbarer-energie.aspx17.07.2018 22:00:00
Die Menschen mögen erneuerbare Energien, …Die Menschen mögen erneuerbare Energien, …http://www.nfp71.ch/de/News/Seiten/180502-news-nfp71-die-menschen-moegen-erneuerbare-energien.aspx01.05.2018 22:00:00
Im Spannungsfeld zwischen neuen Technologien und AkzeptanzIm Spannungsfeld zwischen neuen Technologien und Akzeptanzhttp://www.nfp71.ch/de/News/Seiten/170620-news-nfp71-spannungsfeld-zwischen-technologien-akzeptanz.aspx19.06.2017 22:00:00

Projektbeschrieb (abgeschlossenes Forschungsprojekt)

Die Transformation des Energiesystems ist ein wichtiger Treiber für Projekte im Bereich der erneuerbaren Energien. Die Neuausrichtung der Schweizer Energiepolitik bringt zahlreiche technische und politische Herausforderungen mit sich. Zur Verwirklichung eines Wandels müssen sowohl die politische Elite als auch die Bevölkerung Projekte und innovative politische Instrumente akzeptieren. Solche Strategien und Projekte beinhalten zudem häufig Zielkonflikte. Die entscheidende Frage ist daher, wie die Akteure mit den verschiedenen "Pros" und "Contras" in einem mehrdimensionalen Entscheidungskontext umgehen.

Zielsetzung

Das Projekt hatte folgende Ziele:

  1. Beschreibung des Ist-Zustandes und der Weiterentwicklung der Stromproduktion aus vier erneuerbaren Energiequellen (Kleinwasserkraft, Sonnenenergie, Windkraft und Geothermie) in den Schweizer Kantonen.
  2. Untersuchung der Akzeptanz von verschiedenen politischen Massnahmen und Massnahmenkombinationen zur Förderung erneuerbarer Energien bei der politischen Elite.
  3. Identifizierung der Bedingungen, unter denen die Bevölkerung im partizipativen Kontext der Schweiz verschiedene energiepolitische Strategien und Projekte zur Förderung erneuerbarer Energien akzeptiert.

Resultate

  1. Die Kantone schöpfen bisher ihr natürliches Potenzial zur Stromerzeugung aus erneuerbaren Energiequellen höchst unterschiedlich aus. Am Beispiel der Kleinwasserkraft zeigte sich, dass eine allzu weitgehende positive Planung für die Umsetzung lokaler Projekte eine Hürde darstellt, während gute Einspeisebedingungen und die Voraussetzung, dass sich lokale Unternehmer für die Förderung und Vermittlung des lokalen Prozesses engagieren, einen positiven Einfluss auf die Verbreitung erneuerbarer Energien haben.
  2. Die politische Elite spielt eine zentrale Rolle bei der Wahl und Umsetzung von politischen Instrumenten zur Förderung erneuerbarer Energien. Die Verbreitung von Informationen ist im Allgemeinen der kleinste gemeinsame Nenner, auf den sich die meisten Akteure einigen können, während regulatorische und wirtschaftliche Massnahmen stärker umstritten sind. Je nach Art des Akteurs und je nach kantonalen Besonderheiten werden unterschiedliche Arten von Instrumenten bevorzugt. Im Allgemeinen werden Instrumente besser akzeptiert, für die bereits Erfahrungen mit der Umsetzung bestehen.
  3. Die Bevölkerung befürwortet insgesamt die erneuerbaren Energien, ihre Akzeptanz für die einzelnen Massnahmen zur Förderung erneuerbarer Energien und damit zusammenhängender Projekte ist jedoch durch eine «qualifizierte Unterstützung» gekennzeichnet. Das entscheidende Kriterium sind die Kosten, d.h. wenn die Haushalte mehr bezahlen müssen, sinkt die Unterstützung stark, während das Argument des Ausstiegs aus der Kernenergie die politische Unterstützung begünstigt. Kritischer beurteilen die Wahlberechtigten die Vorteile von Anreizinstrumenten. Dies erklärt die mangelnde Akzeptanz dieser Instrumente, die aus Sicht der Umweltökonomie am wirkungsvollsten wären.

Bedeutung

Bedeutung für die Forschung

  1. Das Projekt bietet einen neuen politikwissenschaftlichen Rahmen für «soziale Akzeptanz», der insbesondere Aspekte des politischen Entscheidungsprozesses integriert.
  2. Die im Rahmen des Projekts durchgeführte Analyse zeigte den Nutzen experimenteller Erhebungselemente, insbesondere der Conjoint-Analyse, für das Verständnis der individuellen Meinungsbildung im Kontext multidimensionaler Entscheidungen und bei hoher Unsicherheit.
  3. Die Analyse der Unterstützung einerseits durch die Bevölkerung und andererseits durch die politische Elite bestätigt, dass beide Gruppen berücksichtigt und verglichen werden müssen, um das politische Potenzial für Veränderungen richtig einzuschätzen.

Bedeutung für die Praxis

Die Ergebnisse des Projekts sprechen für eine «Politik der kleinen Schritte» in Sachen Energiepolitik: moderate Lösungen, z.B. mit geringen Kosten und einer schrittweisen Entwicklung aus dem «Status quo» heraus, werden eher akzeptiert und können die notwendigen positiven Erfahrungen schaffen, um die Politik im Laufe der Zeit effektiver gestalten zu können. Auf der Ebene der Kantone sollten die politischen Entscheidungsträger beispielsweise über die Kantonsgrenzen hinweg Fachwissen über politische Instrumente austauschen, um die Akzeptanz für erfolgreiche Instrumente zu fördern, die noch nicht im grossen Massstab umgesetzt wurden.

Auf lokaler Ebene braucht es von Beginn weg integrative Umsetzungsprozesse. Darüber hinaus sollten die politischen Entscheidungsträger gute Bedingungen dafür schaffen, dass lokale Unternehmer lokale Projekte initiieren und fördern können.

Originaltitel

Future energy policy: the acceptance of alternative electricity supply

Projektverantwortliche

  • Prof. Isabelle Stadelmann-Steffen, Institut für Politikwissenschaft, Universität Bern
  • Prof. Karin Ingold, Institut für Politikwissenschaft, Universität Bern
  • Prof. Philippe Thalmann, Laboratoire d'économie urbaine et de l'environnement, EPF Lausanne