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Effizienter Energieverbrauch in Privathaushalten

 

Der Energieverbrauch im Haushalt steht im Bewusstsein der Westschweizer Bevölkerung nicht an oberster Stelle. Themen wie Gesundheit, Wohlbefinden, Bequemlichkeit, Konnektivität, Komfort oder Sicherheit sind wichtiger – und alle mit Alltagsroutinen und -gewohnheiten verbunden, die Energie benötigen.

Hintergrund (abgeschlossenes Forschungsprojekt)

Der Alltag besteht zu wesentlichen Teilen aus Routinen und Gewohnheiten, die Energie benötigen: Putzen, Waschen und Kochen, Unterhaltungs- und Freizeitaktivitäten. Diesen Verhaltensmustern liegen gesellschaftlich etablierte Normen zugrunde, die häufig implizit bleiben und stillschweigend akzeptiert werden. Mit dem Verständnis, welche gesellschaftlichen Normen dieses Verhalten beeinflussen, könnten Möglichkeiten zur Reduktion oder Optimierung des Stromverbrauchs gefunden werden. Um Verhaltensänderungen herbeizuführen, sind mehrere Elemente gemeinsam zu berücksichtigen, unter anderem gesellschaftliche Normen, Regeln, Regulierungen und Vorschriften, verfügbare Infrastrukturen, Geräte, Produkte und Materialien sowie Kompetenzen, Überzeugungen und Emotionen. Soziales und partizipatives Lernen bietet Gelegenheit, Verhaltensänderungen zu bewirken und so den Energieverbrauch zu reduzieren und/oder zu optimieren.

Ziel

Inwiefern kann ein besseres Verständnis zum Stromverbrauch zu Hause – im Rahmen alltäglicher sozialer Aktivitäten und im Zusammenhang mit impliziten gesellschaftlichen Normen – zu effizienteren und/oder reduzierten Verbrauchsmustern beitragen? In diesem Kontext stellen sich drei Fragen:

  • Was sind die bestehenden und miteinander zusammenhängenden Verhaltensweisen beim Stromverbrauch in Privathaushalten und wie können diese besser verstanden werden?
  • Wie lauten die impliziten und stillschweigend akzeptierten Normen und Werte im Zusammenhang mit diesen Verhaltensweisen? Wie können Emotionen dazu beitragen, gesellschaftliche Normen aufzudecken?
  • Wie ändern Menschen ihr tägliches Verhalten mit Blick auf den Stromverbrauch hin zu mehr Effizienz und/oder Suffizienz?

Resultate

  • Die Energiewende beschäftigt die Bevölkerung in der Westschweiz nicht sehr stark, und das Bewusstsein für den eigenen Stromverbrauch ist nicht besonders ausgeprägt.
  • Im Zusammenhang mit Leistungen, die Energie benötigen (wie Beleuchtung, Aufbewahrung von Nahrungsmitteln, Reinigung, Kommunikation usw.) sind folgende Themen von Bedeutung, die sich als Ausgangspunkte und positive Nebeneffekte für mehr Energieeffizienz und -suffizienz anbieten: Gesundheit, Wohlbefinden, Komfort, Konnektivität, Bequemlichkeit und Sicherheit.
  • Die gesellschaftlichen Normen bezüglich Ordentlichkeit und Sauberkeit sind in der Westschweiz sehr ausgeprägt, vor allem bei den Wasch- und Reinigungsaktivitäten, die weiterhin genderspezifisch sind. Ein weniger einheitliches Bild zeigt sich bei den Normen zur Konnektivität und den Informations- und Kommunikationstechnologien (ICT). Wenn Normen hinterfragt werden, kann dies zu veränderten Konsumgewohnheiten führen.

Bedeutung

Bedeutung für die Forschung

Weiterer Forschungsbedarf:

  • Verständnis, wie Suffizienz oder eine absolute Reduktion des Energieverbrauchs in der Schweiz in verschiedenen öffentlichen und privatwirtschaftlichen Sektoren vorangetrieben werden können.
  • Rolle partizipativer Methoden und Initiativen, welche gesellschaftliche Normen hinterfragen und auf Verhaltensänderungen abzielen.
  • Beziehungen zwischen Wohnungsgestaltung und Energieverbrauch zur Förderung weniger energieintensiver Verhaltensweisen.
  • Rolle der Sharing Economy und/oder von Product Service Systems (PSS) für das Ziel, dass weniger Geräte gekauft werden und die Nutzung maximiert wird.

Bedeutung für die Praxis

Erkenntnisse für Politik und Praxis:

  • Der Unterschied zwischen Effizienz und absoluter Energieeinsparung oder Suffizienz ist weder den Haushalten bewusst noch durch politische Massnahmen vorangebracht.
  • Partizipative Methoden wie Spiele, Wettbewerbe oder Vorführungen, die Haushaltsmitglieder mittels sozialem Lernen einbinden, sind wirkungsvoll.
  • Es reicht nicht, die Konsumentinnen und Konsumenten zu informieren und an ihr Gewissen zu appellieren, um sie beim Energieverbrauch zu sparsameren Verhaltensweisen zu bewegen; der soziale Kontext und die Alltagsgewohnheiten müssen berücksichtigt werden.
  • Die Baubranche spielt eine wichtige Rolle durch die Gestaltung von Wohnungen, die geringeren und effizienteren Energieverbrauch ermöglichen.

Originaltitel

Understanding household energy consumption: social practices, norms and values, and learning how to Change

Projektverantwortlicher

  • Prof. Suren Erkman, Faculté des géosciences et de l'environnement, Université de Lausanne